Die Fahrt des Leviathan – Oliver Henkel

Die Fahrt des Leviathan - CoverSouth Carolina ist preussisch – so die Prämisse von Die Fahrt des Leviathan. In Preussisch Karolina sind die Neger frei, einer davon, Wilhelm Pfeyfer sogar Major und Kommandant des Militär-Sicherheits-Detachements. Er wird zur Aufklärung eines Falles herangezogen, der so gar nicht seiner Stellung gerecht wird: Die Great Eastern, das bei Weitem größte Schiff seiner Zeit, streift einen Felsen und wird leckgeschlagen, und das mit dem preußischen König an Bord – ein Attentatsversuch? Pfeyfer und das Schiff geraten in die Wirrungen des Sezessionskrieges. Die Nordstaaten haben weit mehr Mühe, die Insurgenten zurück in die Union zu holen, als ihnen lieb ist. Die konföderierten Sklavenhalterstaaten hingegen leiden ohne die gewohnte Ausfuhr von Baumwolle und Tabak große Not. Da bietet ein undurchsichtiger Vertreter eines europäischen Landes gegen eine Gefälligkeit an, den Südstaaten Ausrüstung und Waffen zu liefern. Die Great Eastern kommt als Transportschiff wie gerufen. Das Schicksal scheint sich zugunsten des Südens zu neigen…

Klingt gut, aber Oliver Henkel bringt es nicht rüber. Er wird nicht mal zu moralistisch, was mir immer enorm aufstösst, schliesslich will ich unterhalten und nicht zwangs-erzogen werden von meinen Büchern. Ein Leviathan von einem Buch: Henkel bringt auch zum Schluss immer noch Anekdoten unter, die den Leser beeindrucken sollen – mit was es damals schon gab, wo das Sprichwort herkommt und mit seinem mannigfaltigen Wissen. Irgendwann nervt es aber nur noch. Eigentlich wollte ich dieses Buch lesen, um einige andere folgen zu lassen, aber das wird wohl eher nichts werden. Ich habe zuviele andere Bücher zu lesen: davon sind einige sicher gut, da sie entweder von sehr guten Autoren sind, oder einer genialen Bücherserie angehören. Und wiederum andere haben zumindest das Potential, mich nicht durch besserwisserisches Gehabe des Autors zu nerven. Baba, Oliver Henkel, deine Bücher kommen auf den Stapel Lese ich sicher nicht (nochmal).Klingt gut, aber er bringt es nicht rüber. Zu schemenhaft und vorhersehbar sind die Geschehnisse. Dennoch war das Buch leider ein Leviathan an Enttäuschung.

The Map and the Territory 2.0 – Alan Greenspan

The Map and the Territory 2.0 – Alan GreenspanAlan Greenspan war jahrzehntelang Vorsitzender der Fed, der Notenbank der USA. Seine Reden sind dafür bekannt, sphinx-haft zu sein, also im Wortgebrauch genau aber man ist sich anschliessend nicht sicher, ob er bei einem bestimmten Thema nun eigentlich dafür oder dagegen gesprochen hat, oder das man alles mögliche hineininterpretieren kann in seine Prognosen.
The Map and the Territory 2.0 ist aber ganz anders – es ist präzise, Greenspan kritisiert sich und seine früheren Fehlprognosen auch hart und detailreich.

Einige seiner Grundsätze streut er in den Text ein, die aber viel erklären, gerade denjenigen Lesern, die Greenspan nicht kennen. Genau diese Grundsätze würden einem gestandenen Sozialisten die Zornesröte ins Gesicht steigen lassen und der typische Grüne würde bei solchen Freveleien an Schnappatmung leiden.

[…] the capitalist system has always been considered “unfair” by part of our population. Critics, ranging from Karl Marx […] to the Latin American economic populists of the twentieth century, have always argued that, as a consequence of economic power, standards of living are “unevenly” distributed. But none of these critics has proffered a system that, when treid, has produced the material standards of living that capitalism has produced, even for our lowest-income recipients.

Das beliebte Kommunismus ist ja nie richtig versucht worden steckt ihr euch bitte gleich alle wohin.

There had been a widespread notion that the Italians, once they embraced the euro, would behave like Germans. From day one of the euro, they did not. Nor did the Greek, Portuguese, or Spanish. […] the key concern of currency unions: that the value created by a pooling arrangement tends in the end to be distributed disproportionately in favor of the financially less collegial and less prudent members of the pool

Weniger kollegial, weniger ehrlich: genau das zeigt sich genau zu den heutigen Tagen rund um Griechenland extrem.

modern industrial capitalism has been the most effective form of economic organization ever devised, a fact attested to by the remarkable gains in material well-being and life expectancy that it has produced since its emergence. […]at its core is creative distruction […] there is no alternative to displacing obsolescent low-productivity facilities with facilities embodying those technologies at the cutting edge.

Das erklärt wohl, wieso die ganzen Salonkommunisten meist auch so fortschrittsfeindlich sind.

The Map and the Territory 2.0: Risk, Human Nature, and the Future of Forecasting bekommt eine absolute Empfehlung von mir, es liest sich gut, und es ist aktueller denn je.

Gotrek & Felix – City of the Damned

Gotrek & Felix: City of the DamnedGotrek & Felix sind in City of the Damned in Sylvania, und das Schicksal, besser gesagt Gotreks Hoffnung auf einen glorreichen Tod, führt sie in die Stadt der Verdammten. Hier scheint die Zeit nicht stillzustehen, sondern von den Kräften des Chaos verzerrt zu sein. Felix trifft Menschen an, die in längst vergangenen Zeiten zu leben scheinen. In Sagen beinahe, aus der Zeit kurz nach Sigmar, als Magnus die Chaoshorden bekämpfte – und dieser Kampf wird in der Stadt immer noch weitergeführt. Wie so oft, scheint das Auftauchen Gotreks etwas zu bewegen, es kommt zum grossen und geschichtsträchtigen Showdown. Und so sehr Gotrek auch den Tod sucht, so leicht gibt er sich nicht geschlagen auf seinem Weg in die Geschichtsbücher.

Oh Mann ist das mies. Hier muss ich ein kurzes Exposé zum Stand der deutschen Fantasy einbringen, von der viele Freunde, Rezensenten und andere normale aber unbekannte Leser befinden, dass sie grausam ist – zuviele Adjektive machen den Text unleserlich bis abscheulich. Zudem ist es immer in Trilogien geplant, was sonst, dafür dann lustlos vorgetragen. City of the Damned beginnt genauso. David Guymer gibt kaum einem Wort genug Kraft, alleine zu stehen, ohne dass ihm ein Adjektiv als Krücke zur Seite steht. Besser deren zwei! Es bessert sich gegen Ende hin aber das erste Drittel zieht sich hin, es ist ein Kampf gegen den Hirnkrampf.

Der Beginn ist so mies, dass es mir schwergefallen wäre, das Buch zu Ende zu lesen, hätte ich Folgendes bereits vorher gewusst: City of the Damned ist zeitlich nicht genau eingeordnet in die Chronologie der beiden Fantasyhelden. Auch scheint es keine grossen Spoiler zu geben, oder kleine versteckte Hinweise, die in weiterer Folge wichtig sein könnten. Ja, es werden die drohend nahen End Times erwähnt. Diese sind eine Serie, die das klassische Warhammer-Universum der Black Library zu einer Art Abschluß bringen soll; ähnlich wie es die Horus Heresy Reihe für das Warhammer 40k Universum macht. Letztere ist bei ungefähr vierzig Büchern angekommen, wohingegen die End Times sich mit circa zehn begnügen dürfte. Es gibt für die grössten Helden eigene Titel – Nagash, Malus Darkblade, Gotrek – aber auch für Schauplätze wie Altdorf oder Rassen wie die Skaven. Die Bücher habe ich bereits beinahe alle daheim. Jetzt muss ich nur mehr Zeit finden, sie zeitnahe alle zu lesen und für euch zu rezensieren. Ich freue mich schon darauf…