The Map and the Territory 2.0 – Alan Greenspan

The Map and the Territory 2.0 – Alan GreenspanAlan Greenspan war jahrzehntelang Vorsitzender der Fed, der Notenbank der USA. Seine Reden sind dafür bekannt, sphinx-haft zu sein, also im Wortgebrauch genau aber man ist sich anschliessend nicht sicher, ob er bei einem bestimmten Thema nun eigentlich dafür oder dagegen gesprochen hat, oder das man alles mögliche hineininterpretieren kann in seine Prognosen.
The Map and the Territory 2.0 ist aber ganz anders – es ist präzise, Greenspan kritisiert sich und seine früheren Fehlprognosen auch hart und detailreich.

Einige seiner Grundsätze streut er in den Text ein, die aber viel erklären, gerade denjenigen Lesern, die Greenspan nicht kennen. Genau diese Grundsätze würden einem gestandenen Sozialisten die Zornesröte ins Gesicht steigen lassen und der typische Grüne würde bei solchen Freveleien an Schnappatmung leiden.

[…] the capitalist system has always been considered “unfair” by part of our population. Critics, ranging from Karl Marx […] to the Latin American economic populists of the twentieth century, have always argued that, as a consequence of economic power, standards of living are “unevenly” distributed. But none of these critics has proffered a system that, when treid, has produced the material standards of living that capitalism has produced, even for our lowest-income recipients.

Das beliebte Kommunismus ist ja nie richtig versucht worden steckt ihr euch bitte gleich alle wohin.

There had been a widespread notion that the Italians, once they embraced the euro, would behave like Germans. From day one of the euro, they did not. Nor did the Greek, Portuguese, or Spanish. […] the key concern of currency unions: that the value created by a pooling arrangement tends in the end to be distributed disproportionately in favor of the financially less collegial and less prudent members of the pool

Weniger kollegial, weniger ehrlich: genau das zeigt sich genau zu den heutigen Tagen rund um Griechenland extrem.

modern industrial capitalism has been the most effective form of economic organization ever devised, a fact attested to by the remarkable gains in material well-being and life expectancy that it has produced since its emergence. […]at its core is creative distruction […] there is no alternative to displacing obsolescent low-productivity facilities with facilities embodying those technologies at the cutting edge.

Das erklärt wohl, wieso die ganzen Salonkommunisten meist auch so fortschrittsfeindlich sind.

The Map and the Territory 2.0: Risk, Human Nature, and the Future of Forecasting bekommt eine absolute Empfehlung von mir, es liest sich gut, und es ist aktueller denn je.

Gotrek & Felix – City of the Damned

Gotrek & Felix: City of the DamnedGotrek & Felix sind in City of the Damned in Sylvania, und das Schicksal, besser gesagt Gotreks Hoffnung auf einen glorreichen Tod, führt sie in die Stadt der Verdammten. Hier scheint die Zeit nicht stillzustehen, sondern von den Kräften des Chaos verzerrt zu sein. Felix trifft Menschen an, die in längst vergangenen Zeiten zu leben scheinen. In Sagen beinahe, aus der Zeit kurz nach Sigmar, als Magnus die Chaoshorden bekämpfte – und dieser Kampf wird in der Stadt immer noch weitergeführt. Wie so oft, scheint das Auftauchen Gotreks etwas zu bewegen, es kommt zum grossen und geschichtsträchtigen Showdown. Und so sehr Gotrek auch den Tod sucht, so leicht gibt er sich nicht geschlagen auf seinem Weg in die Geschichtsbücher.

Oh Mann ist das mies. Hier muss ich ein kurzes Exposé zum Stand der deutschen Fantasy einbringen, von der viele Freunde, Rezensenten und andere normale aber unbekannte Leser befinden, dass sie grausam ist – zuviele Adjektive machen den Text unleserlich bis abscheulich. Zudem ist es immer in Trilogien geplant, was sonst, dafür dann lustlos vorgetragen. City of the Damned beginnt genauso. David Guymer gibt kaum einem Wort genug Kraft, alleine zu stehen, ohne dass ihm ein Adjektiv als Krücke zur Seite steht. Besser deren zwei! Es bessert sich gegen Ende hin aber das erste Drittel zieht sich hin, es ist ein Kampf gegen den Hirnkrampf.

Der Beginn ist so mies, dass es mir schwergefallen wäre, das Buch zu Ende zu lesen, hätte ich Folgendes bereits vorher gewusst: City of the Damned ist zeitlich nicht genau eingeordnet in die Chronologie der beiden Fantasyhelden. Auch scheint es keine grossen Spoiler zu geben, oder kleine versteckte Hinweise, die in weiterer Folge wichtig sein könnten. Ja, es werden die drohend nahen End Times erwähnt. Diese sind eine Serie, die das klassische Warhammer-Universum der Black Library zu einer Art Abschluß bringen soll; ähnlich wie es die Horus Heresy Reihe für das Warhammer 40k Universum macht. Letztere ist bei ungefähr vierzig Büchern angekommen, wohingegen die End Times sich mit circa zehn begnügen dürfte. Es gibt für die grössten Helden eigene Titel – Nagash, Malus Darkblade, Gotrek – aber auch für Schauplätze wie Altdorf oder Rassen wie die Skaven. Die Bücher habe ich bereits beinahe alle daheim. Jetzt muss ich nur mehr Zeit finden, sie zeitnahe alle zu lesen und für euch zu rezensieren. Ich freue mich schon darauf…

Montecristo – Martin Suter

Montecristo - Martin SuterMontecristo von Martin Suter: ein Schweizer Thriller aus der Welt der Banker, Journalisten und Politiker… zum Glück nicht auf Schweizerdütsch sondern lesbar.

Ein Personenschaden bei einer Fahrt im Intercity und zwei Hundertfrankenscheine mit identischer Seriennummer: Auf den ersten Blick hat beides nichts miteinander zu tun. Auf den zweiten Blick schon. Und Videojournalist Jonas Brand ahnt bald, dass es sich nur um die Spitze eines Eisbergs handelt. Ein aktueller, hochspannender Thriller aus der Welt der Banker, Börsenhändler, Journalisten und Politiker – das abgründige Szenario eines folgenreichen Finanzskandals.

Uije, Banker, Journalisten, Politiker – da kommen die aktuell meist gehassten Berufe zusammen. Ob das mal nicht in stumpfes Gesudere abgleitet? So wie der Kasperl immer seine zuverlässige Keule parat hat, so das Krokodil auftaucht, ist es ja bei einigen Zeitgenossen in, das kapitalistische Krokodil mit der argumentativen Keule zu hauen: neoliberal! pfui! asozial! geht’s scheissen! mehr eisenbahn!
Argumente sind das alles keine, und so zieht die sozialistische Oma (nach 1989) wieder mal den Kürzeren.

Suter jedoch braucht keine Keule wie so mancher Forentroll, er führt eine feine Klinge und den Leser mit Bedacht ins Abenteuer hinein. Es startet etwas stimmungsvoller, bereitet die Charaktere auf, ohne langatmig zu werden. Dann beginnt die Geschichte sich aufzubauen, mit kleinen Hinweisen und grossen Szenen, die einem den Atem rauben, und das alles ohne Action vortäuschen zu müssen.