17. Mai 2006

Jahrtausendblödheit

Dieser Artikel ist einer bestimmten Person gewidmet. Ich hoffe sie versteht ihn und ist mir trotzdem nicht böse.

von Christoph Weber

In Kürze wird wohl das größte Fest des Jahrtausends steigen, und das nur weil viele Menschen denken, dass eben dieses zu Ende geht. Diese Blödheit, die manche Menschen an den Tag legen und somit feiern lässt, sie aber manchmal auch dazu bringt, gegen alles, das sie nicht verstehen, aufzubegehren.

Gene, Atome und mehr

Und sie verstehen vieles nicht, wie Gentechnik (wieso bin ich noch nicht zur Karotte mutiert, wenn Gene so gerne durch die Gegend springen?), Atomkraft (obwohl zum Beispiel Autos mehr Menschen das Leben kosten – aber diese braucht man ja zur Fortbewegung und um Beweis seiner Männlichkeit oder Impotenz oder so, während Strom ja bekanntlich aus der Steckdose kommt, und die gibt es ja in jedem Baumarkt um nur 19,90) oder dass man gewisse Musik gerne hört und folglich auch deren Interpreten mag.

Aus Protest gegen diese unfassbare Blödheit werde ich Silvester anders verbringen. Mit Hilfe eines der größten Konzerne des Jahrtausends werde ich den Beginn des letzten Jahres im zweiten Jahrtausend nach Christi Geburt (+/- 7) verschlafen.

Der Konzern mit dem Elch

Doch bevor man schlafen kann, braucht man ein Bett oder wenigstens eine Couch. Und eben hier kommt der vorhin erwähnte Konzern mit dem Elch ins Spiel. Dieser Konzern hat große, wirklich große Verkaufsflächen auf denen sich viele Liegestätten finden, die gekauft werden wollen.

Auf zur Tat

Aber vor so einem wichtigen Schritt muss man Angebote vergleichen, das heißt in diesem Fall: Es ist Zeit zum Probeliegen! Um das Probeliegen auch praxisnah gestalten zu können, sollte man sich vorher gut überlegen, wozu
man denn sein Bett verwenden möchte.

Bei einem simplen Bett ist es ja eher einfach, wohingegen man bei einer Couch möglicherweise sogar mehr als eine befreundete Person mitnehmen muss, um alltägliche Anforderungen an seine Couch zu simulieren.

Schwieriges Unterfangen

In diesem Fall befragt man seine Freunde ob sie nicht etwas Zeit erübrigen könnten, um mit einem einkaufen zu gehen. Typischerweise sollte ein Sofa mit drei Leuten ausgelastet sein… und wenn von den zwei Freunden einer doch noch abspringen sollte, muss man Alternativen suchen.

Zum Beispiel sich aus Trauer doch zu Silvester (aber nicht NUR zu Silvester) maßlos betrinken. Und hoffen, dass im nächsten Jahrtausend alles (auch die Zuverlässigkeit seiner Freunde oder Freundinnen) besser wird. Es dauert dann auch nur mehr etwas weniger als ein Jahr bis zum nächsten Jahrtausend!

Veröffentlicht: November 1999
Nawigator (nawi-info 52 Zeitungsnummer 123529 W90U)
Seite 23
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17. Mai 2006

Ein Weberscher Ferientag

Du wirst dich wahrscheinlich schon sehr oft gefragt haben, wie ein durchschnittlicher Physik-Student aus dem Waldviertel die Ferien verbringt. Anhand eines Musterexemplars, nämlich mir, möchte ich es dir kurz schildern!

von Christoph Weber

Immer morgens hebt mich die Stimme meiner Mutter, die ein paar Kilometer entfernt scheint, sanft aus meinem Bett. Sodann wird ein Frühstück gegessen, das meine Großmutter zubereitet hat. Dann kommt mir der Gedanke, dass für alle Anderen dies das Mittagessen ist. Mitleid erfasst mein Herz, doch die baldige Fülle in meinem Magen verdrängt all das sehr bald.

Die Hitze scheint unaufhörlich auf mich einzuwirken, nur mit Müh und Not kann ich mich auf eine Bank retten, auf der ich erschöpft liegen bleibe. Anstrengendes Tagwerk vollbracht, und doch ist der Großteil des Tages noch vor mir…

Ich nehme die Fernbedienung zur Hand und zappe zur Verdauung mal durch alle Sender. Erst Arabella errettet mich aus der verwirrenden Sendervielfalt. So eine Dessousshow (ist bei Arabella garantiert dabei, manchmal aber auch nur ein kleiner Strip) am Nachmittag ist schon was Nettes.

Und täglich stelle ich fest: Es gibt immer noch Menschen, die nie eine Talkshow gesehen haben! Wie kann es sonst sein, dass dort jemand auftritt?

Dann wird der Computer angeworfen, und ich spiele schnell eine Saison "Baseball Mogul". Wieder mal die World Series gewonnen, der Hall of Fame näher gekommen, eile ich wieder zum Fernseher, ohne mich allerdings zu überanstrengen, denn ich muss meine Energie einteilen. Denn die Werbepausen bei "Star Trek – Deep Space Nine" sind rar, schließlich wird die Serie in ORF 1 gespielt.

Da heißt es dann, in kurzer Zeit seinen Flüssigkeitshaushalt in Ordnung zu bringen, um wenig zu verpassen und doch den ärztlichen Rat, an heißen Tagen viel zu trinken, nicht zu missachten. Am Abend ist es natürlich sowieso unvermeidlich, dass man sehr viel trinkt… auch in den Ferien. Schließlich will man ja gut vorbereitet in das neue Semester starten, und Training ist wichtig, will man Feste bis zum Schluss erleben.

Wieder erklingt die Stimme meiner Mutter, diesmal weniger aufmunternd, eher mahnend. Mahnend, dass das neue Semester bald beginnt, und ich doch lernen solle. So schnell kann Ferienstimmung verdorben sein. Ich nehme nun ein Buch zur Hand, doch in der Hitze verschwimmen die Zahlen vor meinen Augen, und schnell ist der Entschluss gefasst, den späten Nachmittag im Schwimmbad zu verbringen.

Kühlendes Nass umspült nunmehr nicht nur mehr die Kehle sondern auch den restlichen Körper. Schlechtes Gewissen drängt sich mir auf – habe ich jetzt nicht die Simpsons verpasst?

Veröffentlicht: November 1998
Nawigator (nawi-info 47 Zeitungsnummer 123529 W90U)
Seite 22
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17. Mai 2006

150 Millionen für den Weber

Der glücklichste Tag in meinem Leben! Ich gehe durch die Uni und erspähe aus dem Augenwinkel ein Plakat. Ich bleibe stehen um es mir genauer anzusehen. "150 Millionen Schilling mehr für Dich" steht da ganz groß drauf! Toll! Dann bin ich ja reich.

von Christoph Weber

Da ich auch noch das tolle Foto unseres lieben ÖH-Vorsitzenden, dem Wolfi, darauf sehe, beschließe ich kurzerhand, diesen sofort anzurufen.

Voller Freude stürme ich zum nächsten Telefon. Auf dem Weg dorthin gehen mir allerlei Gedanken durch den Kopf. Was könnte ich nicht alles mit diesem Geld anfangen.

Eine kleine Südseeinsel! Eine eigene Bierbrauerei! Junge hübsche Hausmädchen, die mich den ganzen Tag bedienen! Oder junge hübsche Hausmädchen, die mir den ganzen Tag Bier aus meiner Brauerei auf der ganzen Südseeinsel nachtragen! Wow! Was für ein Leben!

Doch schon in der Telefonzelle angelangt, holt mich das alltägliche Leben wieder ein. Leider habe ich fast kein Kleingeld bei mir. Doch ich kann mich meiner großen Vorfreude nicht entziehen, und entschlossen opfere ich das ganze lästige Kleingeld, schließlich geht es ja um 150 Millionen! "Wolfgang!" spricht mein Gesprächspartner fragend ins Telefon. Das kann ja dann nur unser Kollege Gattringer sein!

Vor lauter Aufregung vergesse ich natürlich, meinen Namen zu nennen, aber er kennt mich ja. Denn als ich ihn frage, ob das mit den 150 Millionen denn stimme, antwortet er sofort mit ja. Das Problem ist nur, dass da auch schon mein Kleingeld wieder mal im Rachen der Telekom Austria verschwunden ist (und wahrscheinlich nie wieder auftauchen wird).

Laufenden Schrittes eile ich nach Hause, um erneut mit ihm zu sprechen. Wieder meldet er sich mit Wolfgang, und wieder vergesse ich zu sagen, wer ich bin. Aber egal! Wieder auf mein Geld angesprochen, antwortet er mit "Ja das ist richtig!" daraufhin muss mein Gesprächspartner vergessen haben, den Hörer weit weg von seinem Ohr zu halten. Denn auf die nächste Frage nach meinem Jubelgeschrei sagt er nur ein paar Mal "Was?". Noch einmal frage ich ihn: "Und wann und wie bekomme ich das Geld? Werden die ganzen 150 Millionen auf mein Konto überwiesen?"

"So einfach ist das nicht! Es gibt zwar 150 Millionen mehr, allerdings für alle Studenten, die Studienbeihilfe beziehen!" Etwas enttäuscht, dass ich nicht der Einzige bin, der in den Genuss eines wahren Geldregens kommt, und bangend um den wohl folgenden Ausverkauf aller Südseeinseln, sage ich: "Na ja, macht ja nichts! Ich will ja nur wissen, wie ICH zu meinen 150 Millionen komme!"

Das ist der Punkt der Geschichte, an dem mein Tag ruiniert wurde! Doofe ÖH! Gemeiner Wolfi! Versprechen mir da ein Leben ohne Sorgen, und dann das! ALLE Studenten sollen etwas davon haben! Was soll das? Mehr Stipendienbezieher und höhere Stipendien! Pfffff! Was interessiert mich das? ich wollte nicht nur sorgen- und arbeitsfrei mein Studium beenden, sondern mein ganzes Leben auf genau diese Art und Weise!

Wieder einmal schwer enttäuscht, ging ich zurück auf die Uni, wieder mal mit großer Verspätung, die noch größer wurde, als ich Aufheiterung bei den gerade stattfindenden Glühweinständen fand.

Veröffentlicht: Jänner 1999
Nawigator (nawi-info 48 Zeitungsnummer 123529 W90U)
Seite 30
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