Von Briten und Katzenkotze – Meine EPT Wien 2010

Bereits bei der Welcome Party zur European Poker Tour (EPT) in Wien lässt PokerStars eine grosse Chance aus. Anstelle einschläfernder Aufzugsmusik wäre doch landesübliches viel besser gewesen und hätte auch mehr zur Stimmung beigetragen. DJ Ötzi statt Ministry of Sound. Das wär’s gewesen.

Während am Ring die Studenten für den Erhalt der Familienbeihilfe demonstrieren, begeben sich unweit davon über 500 Pokerspieler in ein Turnier, dem Sieger winken 700.000 Euro. Welten entfernt ist auch der Kleidungsstil. Nicht bei den Spielern, da gibt es grosse Ausreisser, auch hier sollte nach Ministry of Sound wieder der Hauptfehler von der Insel da oben links kommen. Die Floormen hingegen tragen jeden Tag Anzug und Krawatte mit Stecktuch. Man muss sich nur an Thomas Kremser halten: trägt er eine leuchtend violette Krawatte, findet man die anderen Floormen unweit einer ebenso leuchtenden violetten Krawatte, Frauen im Team genehmigen sich etwas dezenter getönte Halstücher. Fesch, fesch.

Ebenso fesch sind die Spielerfrauen. Während die Jungs an den Tischen 5.300 Euro für das Turnier bezahlen, langweilen sich die Freundinnen daneben. Aber das mit Stil. Ein Höhepunkt unter so manchen Ost-Mädels folgendes deutsche Exemplar: High Heels, schwarze Strumpfhosen münden in ein schwarzes Minikleid das von viel zu weit oben bis zum Hals alles bedeckt. Ergänzt von einem Gürtelersatz der eine sehr hohe Körpermitte und lange Beine antäuschen soll und sich daher knapp unter den beträchtlichen Titten befindet. Was für ein Anblick und welch Provokation. Die Genugtuung findet man einerseits im Wissen, dass sie weg ist sobald ihr Freund pleite ist; andererseits darin, dass wir beide in zehn Jahren den Gürtel auf derselben Höhe tragen werden.

Die Spieler sind bunt wie die Chips am Tisch. Marcel Luske spielt nur in feinstem Stoff. Daniel Negreanu hat wohl eine grössere Kapperl-Sammlung als ich. Am untersten Ende der Skala der Brite. Luke Schwartz. Er ist ein Arschloch. Nicht weil er sich kleidet wie ein Nerd der seit Wochen das Tageslicht nicht erblickt hat. Eine schlabberige, natürlich graue Jogginghose bedeckt grindige Sneakers. Das Shirt ist eine Beleidigung für sich und noch um ein Eck schlabberiger. Der V-Ausschnitt ist ausgezerrt und riesig. Das braucht er wohl so um es sich über seine Ringerohren stülpen zu können. Das macht ihn ebenso wenig zum Arschloch wie die Tatsache dass er noch nie gerungen hat ausser mit seinem very furrrry Teddybären namens Tom. Nein, er ist ein Arschloch weil er seine Chips in Zehnerstapeln vor sich aufbaut und so ungefähr einen halben Quadratmeter Tischfläche für sich beansprucht und Dealer und Mitspieler nervt.

Doch geben wir dem Inselvolk noch eine Chance: lovely Liv Boeree. Wenn ich schon nicht Sabine Hahlweg über den Weg laufe, so findet sich doch die gar nicht mal so kleine Liv Boeree ein. Ihren zierlichen Körper zwängt sie in enge Jeans. In klassischem Briten-Stil aber versaut sie sogar das Tragen der Nuttenstiefelchen. Was soll dieser haarige Fellhaufen vorne auf dem Fuss? Hat eine Katze auf ihre Stiefel gekotzt? Man weiss es nicht. Davon abgesehen ist sie ja süss. Solange sie nicht ihren Mund aufmacht, nicht zum Reden, denn daraus ertönt dieses unerträgliche britische Englisch mit seinen langgezogenen und verzerrten Silben. Haben immer noch nicht verstanden dass Englisch nicht wegen ihnen sondern eher trotz ihnen zur Weltsprache emporgestiegen ist. Aber auch wir haben da ja unser Binkerl zu schleppen mit dem ebenfalls langgezogenen und verzerrten Deutsch der Piefkes.

Ein ebensolcher sitzt am Feature Table, wie immer mit Glück und 30% Gewinnchance eliminiert er einen sympathischen Ungarn. Der es geschafft hat ein Krügerl Bier aufzutreiben wo alle anderen mit 0,33l Flaschen herumhirschen müssen. Vielleicht versuche ich doch am Sonntag noch mein Glück. Bei Bier, Kartenspiel und Mädels.

EPT Wien 2010 – Tag 1

PokerStars.net lädt nach zu langer, fünfjähriger Pause wieder zu einer EPT in Wien. Und alle sind sie da. Von guten und bekannten PokerStars-Aushängeschildern wie Daniel Negreanu bis hin zu unbekannteren und nicht so guten Spielern wie, na, nehmen wir mal Boris Becker. FPÖ-Bezirkspolitiker sind genauso vertreten wie Spieler die man im Fernsehen um Unsummen Poker spielen sieht. Um es kurz zu sagen, die Teilnehmer sind so bunt gemischt wie die Chips am Tisch. Und so wie man die Chips sortiert, haben sich bis zum Tag 2 des Turniers auch einige Spieler selber aussortiert.

Aufgrund des grossen Andrangs gab es zweimal Tag 1, mit 234 und 353 Spielern. Ungefähr die Hälfte haben es zum zweiten Tag geschafft und spielen noch um den Titel der European Poker Tour mit. Daniel Negreanu ist noch dabei, so wie Tom Dwan und auch einige Österreicher. Am Wochenende wird es wirklich spannend: am Samstag wird von 24 Spielern runtergespielt bis die letzten Acht feststehen die am Sonntag den Finaltisch bestreiten. An beiden Tagen wird es auch wieder einen Livestream geben. Mit vor Ort euer aller Lieblingsjournalist Christoph Weber. Wenn er nicht gerade wieder fantastische Sechs-Dollar-Headsup online spielen muss.

Sun Tzu – The Art of War

Endlich am Ziel. Der Weg von modernen Büchern über Clausewitz und Machiavelli konnte ja nur bei Sun Tzu enden. Und was gibt es dazu noch viel zu sagen. Damals gab es anscheinend kein günstiges Papier und keinen Buchdruck, also hat sich einmal ein General mit wenigen Worten begnügt.

In vielen kurzen Sprüchen werden seine Weisheiten bekanntgemacht. Das lässt natürlich viel Platz für Interpretationen und Spielereien. Aber auch das trägt anscheinend zur Popularität von The Art of War bei. So sei’s. Meine Ausgabe ist auf jeden Fall illustriert und ergänzt wunderbar meine Bibliothek.

Ob ich daraus viel gelernt habe? Ich glaube nicht. Entweder brauche ich noch das zugehörige Management-Seminar, oder halte das für Schindluder und begnüge mich damit dass sowieso Clausewitz und andere dasselbe auch sagen. Oder darauf Bezug nehmen. Wer weiss das schon so genau?