Barbarendämmerung – T. O. Meissner

barbarendaemmerungTobias O. Meissner hat Theaterwissenschaften studiert und dabei nichts gelernt. Weder das Schreiben, noch, dass die Initiale des zweiten Vornamens hierzulande nicht verwendet wird wie im anglikanischen Sprachraum. O Meissner! möchte man nun auch schon auf Seite 19 entgegnen, wenn man lesen muss:

Der Verurteilte trieb das Beil durch die Büttel wie eine Herde Tiere durch einen Ort.

Da bleibt einem nur der Griff zum Rossbacher, um dieses Ungetüm verdauen zu können. Unter seinen zahlreichen heiss geliebten Vergleichen sticht dieser glorreich hervor, denn er steht zu Beginn und warnt vor einem Buch, das einen quälen wird. Er mag sich das als schönen und passenden bildlichen Vergleich vorgestellt haben, aber was hat eine Herde Tiere mit einem blutgetränkten Beil gleich? So viel wie ein Theaterwissenschafter mit einem guten Autor.

Barbarendämmerung klang so vielversprechend. Ich musste es haben.

Der Barbar hörte kaum zu. Ihm war die Vorstellung, sich um die beim Vergnügen gezeugten Bälger kümmern zu müssen, vollkommen fremd. Für sowas waren die Weiber zuständig, die sehnten sich sogar danach. Den Geruch von Kinderscheiße schienen sie zu mögen.

Na okay, so schlecht ist es dann nicht. Recht lesbar sogar, nachdem Meissner die Vergleiche ein wenig ausgehen oder zumindest in vernünftiges Territorium hinein abflachen. Die Sprachlosigkeit des Barbaren und seine zeitweilen wirre Gedankenwelt machen Spass. Angst vielleicht auch. Aber vor allem Spass. Mir zumindest. War dann doch ein guter Kauf.

Montanagas

Wer ein Ende staatlicher Monopolisten und Korruption haben will, muss dafür was tun: zum Beispiel den Gasanbieter wechseln. Nach meinem Wechsel zum Stromanbieter MyElectric war nun das Erdgas dran.

Da Österreich ja zu dumm und getrieben von den irrationalen Grünen ist, um das vorrätige Schiefergas abzubauen und damit vielleicht energie-autark zu werden, muss Erdgas importiert werden. Die grossen staatlichen Anbieter biedern sich bei Russland an und binden sich beim Preis, sehr zum Nachteil der Konsumenten. Doch es gibt Abhilfe. Wieder mal beim Gasrechner der e-control umgeschaut, Preise Ohne Neukunden-Rabatte verglichen und schon war die Entscheidung gefällt:

Montanagas.

Wenn Österreich zu dumm ist, kassiert nun halt ein deutscher Konzern mein Geld.

Fighting in Hell

Fighting in HellPeter G. Tsouras ist mir ja schon untergekommen, mit alternate history wie Rising Sun Victorious und Third Reich Victorious.

Fighting in Hell ist keine fiktionale Geschichte. Absolut nicht. Tsouras nimmt sich die Verhörprotokolle deutscher Offiziere her und veröffentlicht sie. Und das Bild, das diese zeichnen, ist wahrlich kein Schönes.

Zu Beginn des Krieges ging man davon aus, den Krieg noch westlich der Dnepr gewinnen zu können. Somit wäre ein ausgedehnter Feldzug nicht nötig – in Kälte, Schnee, und Dreck. Dass es nicht so kommen sollte, erfahren wir aus erster Hand:
Generaloberst Erhard Raus berichtet über russische Kampfmethoden, von den Taktiken bis zur Luftflotte und dem Partisanenkrieg, vor allem aber über den russischen Soldaten an sich. Hier vergisst er, passend für einen Österreicher, nicht, auf das wirklich wichtige zu achten:

The Russian infantryman was inferior to the German and the Finn only in skiing.

Er darf aber auch über das Klima schreiben und die Probleme, die es mit sich brachte über eine nicht passend ausgestattete Armee. General der Infanterie Dr. Waldemar Erfurth darf hier auch ein Kapitel gestalten, somit nehmen allein die Wetterbedingungen eine Hälfte des Buches ein! Ein weiterer Infanteriegeneral, Hans von Greiffenberg, berichtet dann noch von den russischen Wäldern und Sümpfen: auch keine freundlichen Kameraden.

Womit wir aber auch schon beim strukturellen Schwachpunkt des Buches wären: es wird von kommandierenden Offizieren geprägt. Nicht vom einfachen Soldaten. Somit, ja, es wird auf die Widrigkeiten eingegangen – oft aber aus rein statistischer Sicht, also wievielen Männern die Zehen abfroren. Das zeichnet auch ein Bild, aber dann doch etwas gefühllos und sehr objektiv. Einen subjektiven Einblick erhält man nicht. Dessen sollte man sich bewusst sein, um danach nicht zu enttäuscht zu sein, ansonsten ist es ein sehr interessantes und lesenswertes Buch.