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Reamde – Neal Stephenson

Neal Stephenson ist zurück und haut uns mit Reamde ein weiteres Machtwerk um die Ohren, in dem es im Eiltempo und durch verschiedenste Handlungsstränge rund um die ganze Welt geht.

Hauptfigur ist wohl Zula: die Freundin eines Hackers, der Probleme mit Kunden bekommt. Blöderweise ist der Kunde die russische Mafia. Unter den gekauften Daten war auch ein Virus. Also werden Zula und ihr Freund nach China entführt, um den Virusschreiber zu finden. Doch dort geraten sie an islamische Terroristen. Um von diesen nicht getötet zu werden, erzählt Zula von ihrem reichen Onkel. Und so geht es zurück nach Kanada.

Wie wir es erwarten, begnügt sich Neal Stephenson nicht mit einem Handlungsstrang. Die Wendungen sind nicht, wie so oft, erzwungen, vorhersehbar und nur mit deus ex machina erklärbar. Stephenson vereint hier einige seiner bereits in Büchern verwerteten Spezialgebiete: Geld (The Baroque Cycle), Computer (Interface), Südostasien (Cryptonomicon). Es ist ein wunderbares Buch und besser als die Gesamtwerke anderer Autoren *hust*Dan Brown*hust* wenn auch nicht ganz sein Meisterwerk. Dennoch sollte man es gelesen haben.

Reamde ist auch auf Amazon.de erhältlich.

Cobweb – Neal Stephenson

Cobweb benennt eine Taktik, politische Widersacher mit Arbeit einzudecken um sie somit aus dem Spiel zu nehmen. Mit Arbeit ist hierbei natürlich sinnloses wie Meetings gemeint. Spielen tut der gleichnamige Roman zur Zeit des ersten Golfkriegs. Damals dürfte es noch kein Bullshit Bingo gegeben haben.

Wieder mal verknüpft Neal Stephenson, einer meiner Lieblingsautoren, kunstvoll mehrere Handlungsstränge. Auf der einen Seite Deputy Sheriff Clyde Banks, der einerseits als Sheriff kandidiert, andererseits über seltsame Vorgänge an der lokalen Universität stolpert. Auf der anderen Seite Betsy Vandeventer, eine junge Analystin bei der Central Intelligence Agency (CIA), die ihre Aufgaben über-erfüllt und auf nicht widmungsgemässe Verwendung von Fördergeldern im Irak hinweist. Dann greift Saddam Hussein Kuwait an und schon finden sich beide zwar inmitten der USA aber doch dem Golfkrieg sehr nahe wieder.

Mit nur geringem Rückblick (das Buch wurde bereits 1997 veröffentlicht) behandelt Stephenson ein sensitives Thema, die US-Regierung sieht von innen nicht sehr effizient aus, die Politik wird getragen von nicht gewählten Personen, und auch CIA, FBI und NSA kommen nicht gut weg. Dennoch ist es kein krankhaftes Schlechtmachen oder Lustigmachen wie es viele Kritiker bei uns angehen würden, sondern eine stilvoll vorgetragene Geschichte.

Damit fehlt mir nur mehr ein Stephenson, dann habe ich sein Gesamtwerk durch. Du solltest auch mehr von ihm lesen, und er sollte mehr und schneller schreiben.

Interface – Neal Stephenson

Es mag nicht immer so aussehen, aber natürlich ist meine Bibliothek nicht allumfassend. Ich besitze zwar The Complete Calvin and Hobbes aber noch nicht mal alle Bücher eines meiner Lieblingsautoren, von Neal Stephenson. Doch ich bin dabei diese Lücke zu füllen, und daher gibt es nun einen Bericht über Interface. Dieser politische Roman oder Thriller entstand mit der Hilfe von Frederick George. Ich weiss nicht was dieser dazu beigetragen hat, wenn ein Mann wie Neal Stephenson sonst doch jede Wissenschaft und und jedes Thema richtig und spannend navigieren kann. Auf jeden Fall scheint der klassische Stephenson-Stil nicht zu stark beeinflusst.

Zum Start ist der Aufbau der Geschichte ungewohnt langwierig und detailliert, was wohl auch an der Kombination einiger komplexen Themen liegt. Der Gouvernour von Illinois, William Cozzano, erleidet einen Schlaganfall und ist halbseitig gelähmt und hat eine Sprachstörung. Doch wie der Zufall oder der Autor es so will, begeben sich einige interessante Dinge: Ein indischer Arzt forscht an Affen und implantiert ihnen Mikrochips ins Gehirn; ein Ingenieur erfindet einen weit fortgeschrittenen Polygraphen der die Reaktionen von Menschen sehr genau misst; der US-Präsident will den Staat seine Schulden nicht zahlen lassen; dies bringt die Märkte ins Wanken und ruft eine grosse Vereinigung auf den Plan die viel Geld in diese Staatsschuld investiert hat.
Mit beinahe unendlichen Ressourcen bekommt der indische Arzt eine Forschungseinrichtung um dem Gouverneur einen Chip zu implantieren der mit dem neuen Polygraphen kommunizieren kann. Damit kann der Gouverneur nun sofort perfekt sagen wie sich sein Gegenüber fühlt. Und soll so den Wahlkampf gegen den wieder-kandidierenden Präsidenten gewinnen. Und so das Geld der Investoren sichern.

Nun, sollte es so einfach sein dass sich grosse mächtige Vereinigungen einen Präsidenten basteln können? In der Literatur sicher. Und manch paranoide Wesen mögen schon jetzt daran glauben. Ich glaube nur weiterhin dass Neal Stephenson einer der begabtesten Autoren der Gegenwart ist.