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Waiting to Be Heard – Amanda Knox

Zeit, gehört zu werden

waiting-to-be-heardAmanda Knox hat Schlagzeilen gemacht: eine junge fesche US-Studentin involviert in Sexspielchen und Mord. Vier Jahre musste sie in einem italienischen Gefängnis verbringen. In der Verhandlung werden haarsträubende Fehler gemacht. Die Anklage erfindet laufend neue und wahnwitzige Geschichten, die zu immer anderen und meist ungültigen Beweisen zu passen scheinen – aber nur im kranken Hirn des Staatsanwalts, der zur Zeit übrigens wegen mehrerer solcher Vorgehensweisen vor Gericht steht beziehungsweise teils schon verurteilt wurde. Und die Medien haben sich auf den Fall gestürzt wie die stinkenden Aasgeier die sie sind.

Als dann klar war, dass der Täter – Vergewaltiger und Mörder – nicht untypischerweise ein Mädchen ist, sondern ein mehrfach vorbestrafter arbeitsloser Einwanderer, ward es ruhig um den Fall. Oder hat jemand den Namen Rudy Guede gehört oder gelesen? Amanda Knox wurde in zweiter Instanz freigesprochen. Die Freiheit hat sie genutzt, um ihre Memoiren niederzuschreiben in Waiting to Be Heard, auf Deutsch: Zeit, gehört zu werden.

Was lernen wir daraus? Rede nie mit der Polizei. Nicht ohne Anwalt. Und auch nicht als – vermeintlicher – Zeuge. So schnell kannst du nicht schauen, wirst du vom Zeugen zum Beschuldigten. Auch in Österreich. Hier gibt es nur eins: schweigen und die Aussage vor Gericht machen. Dort musst du sie sowieso machen, egal ob du vorher bei der Polizei eine Aussage getätigt hast oder nicht. Und wehe, die beiden Aussagen stimmen nicht überein.
Was lernen wir noch daraus, was hätte Knox bei ihrer ersten Zugfahrt in Italien lernen sollen? Vertraue keinem Italiener.
Eins lernen wir noch: die gewerkschaftlich durchgesetzte Sommerpause von zwei Monaten auch für Richter sorgt für Schaden, da in diesen Monaten nichts weitergehen kann und auch Unschuldige Zeit im Gefängnis abbüssen müssen, während der Staatsapparat urlaubt und faulenzt.

So wie Amanda Knox gefangen genommen wird, wird auch der Leser in das Buch und die ungeheuerlichen Geschehnisse hineingezogen und sie lassen einen nicht so leicht los. An manchen Stellen sind Sprünge drinnen, da folgt ein Gedanke raschest auf den nächsten, das mag an der Gescchwindigkeit liegen, mit der Knox selbst von den Geschehnissen überrascht wurde, oder daran, dass es ihr erstes Buch ist. Wollen wir hoffen, dass es nicht das letzte bleibt: das Verfahren gegen Amanda Knox wird wiederholt. Der Vergewaltiger und Mörder Rudy Guede hingegen kann ab 2014 bereits mit Freigang rechnen. Nennt sich das Gerechtigkeit?

Verbrechen und Schuld – von Schirach

Verbrechen von Ferdinand von SchirachUnfähige Verbrecher bringen mich zum Lachen: Schadenfreude ist immer die schönste Freude, und in Verbrechern findet man die würdigsten Opfer.

In Verbrechen und Schuld liefert der Rechtsanwalt Ferdinand von Schirach jeweils Kurzgeschichten seiner Mandanten. Neben Verbrechen sind die Geschichten noch von einem geprägt: Skurrilität. Da gibts den Autoknacker der das falsche Auto stiehlt, und dann Besuch vom Besitzer bekommt. Der ist dummerweise Boss der lokalen Unterwelt. Das tut weh… aber nicht dem Leser, auch nicht dem Zwerchfell: für laute Lacher sorgen die Geschichten nicht, aber für Schmunzeln und ein wenig Zufriedenheit, denn die Gerechtigkeit kommt nicht immer nur von der Justiz.

Die Sprache ist präzise, schweift nicht aus… langweilt aber dann doch. Vielleicht sollte man sich nur zwei, drei Geschichten am Stück durchlesen. Das ist nicht mein Ding. Und so musste ich dann ein wenig leiden, denn auf Dauer wird der Erzählstil mühsam. So unaufdringlich und erfrischend es am Anfang sein mag, keine blumig ausgeschmückten und poetischen Sätze lesen zu müssen: durchsetzen wird sich der Stil nicht.

American Sniper – Chris Kyle

American Sniper von Chris KyleDie Autobiografie des tödlichsten Scharfschützen in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Na pfau. Klingt reisserisch, ist es auch, aber das ist nur der Titel. Der Rest von American Sniper ist relativ nüchtern. Der Autor selber ist es an vielen Stellen seiner Geschichte nicht. Und sachlich ist das Buch natürlich auch nicht immer. Aber dafür umso spannender.

Chris Kyle wächst in Texas auf, und so interessiert er sich für das Leben als Cowboy: Waffen, reiten und auf einer Farm arbeiten. Er ist ein passabler Rodeoreiter, wird jedoch verletzt und so arbeitet er fortan auf einer Farm, während er studiert. Nach dem Studium entschliesst er sich, Soldat zu werden. Natürlich nicht irgendein Fusssoldat, es soll schon ein Spezialkommando sein. Und so verschlägt es ihn zu den Marines und er wird ein SEAL.
Die Ausbildung ist hart und er verletzt sich. Aber er schafft es, und er wird Sniper. Nicht der Beste seines Jahrgangs: egal, denn er hat Glück, also viele Möglichkeiten. Denn er wird in den Irak geschickt und beim Kampf in Fallujah und Ramadi hat er sehr viele Aufständische im Visier. Und schon bald hat er den Rekord der meisten Abschüsse gebrochen. Nur das Familienleben zieht ihn zurück und dann auch schon an den Schreibtisch: um uns dieses Buch zu schreiben.

Und das tut er sehr gut, es ist witzig, informativ und es zeigt die persönliche Seite des Krieges auf. Es ist ganz sicher kein Lehrbuch für Sniper oder Möchtegern-Scharfschützen. Auch das Wissen über Waffen, dass er vermittelt, ist eher gedacht um Anfänger nicht auszuschliessen. Das soll es alles nicht sein, sondern eine Autobiografie. Eine gute.

Und sie ist auch auf Amazon.de erhältlich.