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Soft Apocalypse – Will McIntosh

Soft Apocalpyse - Will McIntoshDen plötzlichen Weltuntergang kennen wir aus der Literatur zur Genüge. Was aber, wenn die Zivilisation sich nur langsam dem Untergang nähert? Diese Geschichte präsentiert uns Will McIntosh in Soft Apocalypse.

Jasper lebt in einer kleinen Stadt im Süden der USA. Eigentlich irgendwo daneben, im Wald, oder wo auch immer. Er wird Zigeuner genannt. Die Grenzen sind kaum geschützt, es gibt Krieg, Designerviren verunstalten und töten massenhaft Menschen. Dann findet er mal wieder einen Job. Eine Freundin. Was er nicht findet, ist die Hoffnung auf eine bessere Zukunft – es wird immer schlimmer. Langsam zwar aber unaufhaltsam.

Bei so einem Setting denkt man zuerst an eine von zwei Sachen, die der Autor machen kann – Worldbuilding ist es bei McIntosh nicht. Er beschreibt den Untergang über die Hauptfigur und seine Freunde, seine Beziehungen, seine Ängste. Das macht er gut, man verfolgt die Geschichte gerne weiter… mein Ding ist es aber nicht. Ich hätte gerne mehr vom grossen Rundherum erfahren, oder ein wenig mehr Action. Wer es gerne gemächlicher angeht, wird Soft Apocalypse noch besser finden als ich es tat.

The Martian – Andy Weir

The Martian – Andy WeirAb und zu findet man ein Buch, das man nicht aus der Hand legen kann. The Martian von Andy Weir ist so eines. Eine Marsmission wird wegen eines Sturms auf der Oberfläche abgebrochen, Mark Watney bleibt alleine zurück. Sofort macht er sich ans Werk, sein Überleben zu planen. Die Erdäpfel, die für das Thanksgiving-Dinner geplant waren, werden angepflanzt, Wasser wird recycelt, und Dünger bekommt er indem er seine Ausscheidungen wiederverwertet. Dafür darf er jedoch die Toilette nicht verwenden, denn diese trocknet die Exkremente und tötet damit alles ab – the toilet of doom:

My asshole is doing as much to keep me alive as my brain.

Als Botaniker und Ingenieur hat er das Wissen, und dazu noch viel Basteltrieb – kein Wunder, dass ihn viele Leser mit MacGyver vergleichen. Ich würde ihn auch als Glücksgriff bezeichnen, denn kaum eine andere Fächerkombination würde ihm das Überleben – und uns das spannungsvolle Mitfiebern – ermöglichen. Andy Weir breitet viel an Wissenschaft aus, und die dumme Frage von so manchem Schüler Wozu brauche ich das? wird definitiv beantwortet. Okay, nicht jeder wird am Mars stranden, aber jeder sollte diese geniale Buch gelesen haben.

Watney ist ein klug, selbstkritisch und zynisch auch was seine Überlebenschancen angeht. In ihm mischt sich alles zusammen, was man für einen einsamen Helden benötigt. In diesem Fall wird es halt in harter Science-Fiction verpackt. Das Rezept passt und funktioniert, Andy Weir hat hier ein meisterhaftes Werk abgeliefert.

Existence – David Brin

Existence - David BrinDavid Brin entführt uns in Existence nur wenige Jahrzehnte in die Zukunft. Nach einigen Katastrophen gibt es ein weltweites Klassensystem, von den Trillionären bis runter zu den Besitzlosen. Es gab einige Katastrophen von steigenden Meeresspiegeln bis zum Einsatz von Atombomben. Das ganze System scheint gerade zu kollabieren, da entdeckt ein Astronaut einen Kristall in der Erdlaufbahn, der die Existenz ausserirdischer Lebewesen beweist. Es ist jedoch nichts anderes als ein intergalaktischer Kettenbrief…

Da nimmt man so einen Wälzer in die Hand, und dann ist man doch so schnell damit fertig. Es mag nicht wenige Personen geben, die wichtige Rollen spielen, aber das schön sortiert, und jede einzelne Geschichte bleibt spannend, bis es unweigerlich zum alles-verknüpfenden Finale kommt. Das Ende – ja, das Ende ist im Vergleich zur Spannund die mittendrin aufkommt, beinahe etwas lasch. Etwas offen. Aber gerade diese Offenheit passt sehr gut zum Thema und man kann nicht anders, als weiter darüber nachzudenken. Und das liegt nicht nur am Fermi-Paradoxon sondern auch daran, dass Brin hier ein meisterliches Werk geschaffen hat das man gelesen haben sollte.