Schlagwort-Archive: science fiction

Age of Voodoo – James Lovegrove

Age of Voodoo - James LovegroveDie Pantheonserie war schon mal etwas zäher. Age of Voodoo ist wiederum ganz anders: flott, in den Bann ziehend. Aber nicht nur actionreich und voller Blut und Gemetzel. James Lovegrove liefert uns ein packendes Buch.

Held der Geschichte ist wieder mal ein ehemaliger Soldat: schliesslich gilt es, in den Kampf gegen Götter zu ziehen. In diesem Fall die Voodoo-Götter und deren allzu irdischen Handlangern. Lex Dove geniesst sein Leben im Inselparadies. Er hilft einem befreundeten Barchef als Rauswerfer aus, es gibt wenig Arbeit dafür viel Rum. Das Militär bezahlt seine Pension und er ist vollauf zufrieden. Sein Freund würde jedoch gerne ein Boot kaufen und sich selbstständig machen. Und da kommt ein Anruf, und seine Vergangenheit holt ihn ein. Mit einem sehr lukrativen Auftrag. Kommt doch wie gerufen. Jedoch: wird viel gezahlt, gibt es auch viele Gefahren.

James Lovegrove macht weiter mit seiner Serie, und er begeistert den werten Leser wieder und weiter. Irgendwo in den letzten ein zwei Bänden wurde es schon etwas bizarr. Ein wenig einseitig, vielleicht sogar ein wenig repetitiv. In diesem Werk macht er das alles wieder wett.
Mal sehen, welchen Pantheon er sich als nächstes vornimmt. Ich bin dabei – du auch?

Immobility – Brian Evenson

Immobility - Brian EvensonSo immobil wie Hauptfigur Josef Horkai ist Immobility von Brian Evenson: die Handlung zieht sich durch die post-apokalyptische Gegend als wäre meterweise zähflüssiger Sirup der Grund für den Kollaps der Zivilisation.

Wie in Cormac McCarthys The Road geht es auch hier um eine Reise. Mehr oder weniger. Es gibt ein Ziel, und es tut sich eigentlich auch einiges, dennoch zieht sich der Weg in Immobility deutlich länger dahin.

Josef Horkai wird aus einer Stasis erweckt und bekommt den Auftrag, einen gestohlenen Kanister zurückzubringen. Was einfach klingt, wird ein wenig erschwert durch den Umstand, dass er gelähmt ist und seine Beine nicht bewegen kann. Also bekommt er zwei Träger zugewiesen. Diese jedoch müssen einen Schutzanzug tragen, damit sie länger als ein paar Tage draußen überleben können. Nur Horkai ist davon nicht betroffen.
Was ist in dem Kanister? Wieso überlebt Horkai draußen, wieso ist er gelähmt? Viele Fragen, und die meisten werden beantwortet, aber die Zeit dazwischen wird fad. Evenson gelingt es nicht, die Spannung aufrecht zu erhalten, so spannend ist die Gegend und die Reise nicht und die Antworten auf soviele Fragen sind vorhersehbar. Großartiger Schluss, meint der Standard-Rezensent, ich meine, der Schluss kann die Fadesse auch nicht wettmachen.

Im Jahre Ragnarök – Oliver Henkel

Im Jahre RagnarökIm Jahre Ragnarök spielt Oliver Henkels Alternate History Roman. In seiner Zeitlinie ging die Sowjetunion mit dem frühen Tode Stalins 1945 zu Grunde, Deutschland wurde von den USA und Grossbritannien alleine besiegt. Und statt dem Marshall-Plan mit dem Kredit zum Wiederaufbau wurde der zweite Morgenthau-Plan umgesetzt: Deutschland wurde deindustrialisiert und dezentralisiert. Alle industriellen Anlagen wurden gesprengt, die Menschen mit Elektroschockern therapiert. Dementsprechend gross ist die Verwüstung und der Hass auf die Besatzungsmächte.

In dieses Deutschland wird nun der britische Geheimdienstagent John Tubber versetzt, da er bisher nichts zustande gebracht hat da er sich immer zu schnell auf Ideen fixiert und nicht locker lässt. Auch Grossbritannien ist verarmt und so nimmt er den Auftrag an, Kunstschmuggler ausfindig zu machen. Und es wäre keine Erzählung wert, würde nicht Grösseres dahinter stecken. Tubber findet eine Notiz mit dem Hinweis auf Ragnarök, den Weltuntergang der nordischen Mythologie. Und so vermutet eine Verschwörung von Alt-Nazis und eine neu erstehende Nazi-Armee. Keiner nimmt ihn ernst, nicht mal der deutsche Polizist an seiner Seite. Die Deutschen seien alle nur damit beschäftigt, den nächsten Tag zu überleben.

Kunstschmuggler, die mit bereits zerstörten Schätzen handeln. Gastauftritte von Ed Wood, Buddy Holly und Jack Kerouac sowie die Gestalt des Polizisten Günter Dünnbrot sorgen für einiges an Humor. Mehr noch als zeitreisende Nazis. Ups. Das war ein kleiner Spoiler, nimmt aber nur wenig vorweg. Wer sich mit Alternate History anfreunden kann, dem wird auch Im Jahre Ragnarök gefallen.